TA G U N G E N
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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3
© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
DNA Nanotechnology meets
Plasmonics
601. WE-Heraeus-Seminar
Die Nanophotonik hat zum Ziel, das
Verständnis der Licht-Materie-Wechsel-
wirkung zu verbessern und neuartige op-
tische Komponenten zu entwickeln, z. B.
logische Gatter, die statt herkömmlicher
Elektronik photonische Interaktionen
nutzen. Neben Halbleitern und Dielektri-
ka eignen sich für solche Untersuchungen
insbesondere Metalle und metallische
Nanopartikel aufgrund der starken Kopp-
lung ihrer Oberflächenplasmonen an
das elektromagnetische Feld. Um Licht
gezielt beeinflussen zu können, sollten
die Materialien auf einer Längenskala
strukturiert werden, die etwa eine Grö-
ßenordnung kleiner als die Wellenlänge
des zu manipulierenden Lichts ist, für
sichtbares Licht also unter 50 nm. Zur
Ergänzung herkömmlicher Lithographie-
methoden bieten sich für diese Aufgabe
Selbstassemblierungsmechanismen an.
Die erfolgreichste und vielseitigste dieser
„bottom-up“-Methoden ist die DNA-
Nanotechnologie, die auf dem selektiven
Erkennungsmechanismus komplemen-
tärer DNA-Stränge beruht, die sich
durch geschickte Wahl ihrer Sequenzen
in beliebige Formen falten lassen. Dank
der „DNA-Origami-Methode“ hat die
DNA-Nanotechnologie in den letzten Jah-
ren gewaltige Entwicklungen durchlebt.
Heute nutzen weltweit mehr als 100 Grup-
pen diese Methode, um Designer-3D-
Nanostrukturen herzustellen und so unter
anderem plasmonische Nanopartikel und
-stäbchen mit Nanometerpräzision im
Raum anzuordnen.
Im 601. WE-Heraeus-Seminar kamen
renommierte Vertreter der teilweise sehr
unterschiedlichen Felder Plasmonik
und DNA-Nanotechnologie zum ersten
Mal in einem gemeinsamen Workshop
zusammen. Dabei wurden die aktuellen
Entwicklungen der DNA-Selbstassem-
blierungmethoden imWechsel mit den
interessantesten Fragen der Plasmonik
in Vorträgen und zwei Postersitzungen
behandelt. Besonders erfreulich war, dass
bereits gut die Hälfte der Vorträge und
der Großteil der Poster die Kombination
der beiden Felder zum Thema hatten. Da
die vielen ausgezeichneten Beiträge hier
nicht einzeln gewürdigt werden können,
sei nur das besondere Engagement von
Nadrian (Ned) Seeman hervorgehoben,
der als Gründer des DNA-Nanotechnolo-
giefeldes nach seinem Eröffnungsvortrag
den gesamten Workshop aktiv unterstützt
und die sehr unterhaltsame und einsichts-
reiche abschließende Podiumsdiskussion
bereichert hat.
#)
Neben allen Teilnehmern, die den
Workshop durch die vielen lebhaften
Diskussionen zu einem großem Erfolg
gemacht haben, wollen wir nicht zuletzt
der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung
Prof. Dr. Laura
Na Liu
, Universität
Heidelberg
Prof. Dr. Tim Liedl
,
LMU München
Dr. Helmut Schult-
heiß
, Helmholtz-
Zentrum Dresden-
Rossendorf
Dr. Andrii Chumak
,
TU Kaiserslautern
und allen Mitarbeitern für die großartige
Unterstützung dieses neuen, vielverspre-
chenden Themas danken.
Laura Na Liu und Tim Liedl
Magnonics: Spin Waves Connec-
ting Charges, Spins and Photons
603. WE-Heraeus-Seminar
Magnonen sind kollektive Anregungen
des Elektronensystems und lassen sich
als die Präzession der Elektronenspins
verstehen, losgelöst von jeglichem La-
dungstransport. Die kollektive Natur wird
durch die Austausch- sowie die Dipol-
Dipol-Wechselwirkung getragen, was zu
einer Kohärenz der Magnonen auf meso-
skopischen bis hin zu makroskopischen
Längenskalen führt und deren Potenzial
als Transportmedium für Spin-Informati-
on unterstreicht. Genau damit beschäftigt
sich die Magnonik, wobei der Name an
die Begriffe „Spintronik“ und „Photonik“
angelehnt ist, nur dass hier die Übertra-
gung und Verarbeitung von Informati-
onen mit Magnonen realisiert wird und
nicht mittels Ladungs- oder Lichtquanten.
Neue Erkenntnisse der Spintronik sowie
der Photonik haben den Weg der Magno-
nik als Brückentechnologie geebnet, die
auf der Zeit- und Längenskala die Lücke
zwischen der Physik der Ladungs- und
Lichtquanten schließen kann.
Ziel des Seminars, das vom 6. bis
8. Januar 2016 im Physikzentrum Bad
Honnef mit mehr als 80 Wissenschaftler/
innen stattfand, war es, diese enge Verstri-
ckung zwischen Magnonen, Elektronen
und Photonen zu diskutieren, neueste
Forschungsergebnisse vorzustellen und
ausreichend Raum für Diskussionen zu
schaffen. Der Schwerpunkt lag dabei
auf den Fragen: Was sind die Trans-
porteigenschaften von Magnonen in
Nanostrukturen? Welche neuen Materi-
alsysteme sind besonders vorteilhaft für
den Magnon-Transport? Wie lassen sich
Magnonen auf kurzen Längenskalen mit
Spinströmen anregen und verstärken?
Wie können wir Femtosekunden-Laser
nutzen, um Spinströme zu erzeugen und
diese mit Magnonen zu kombinieren?
Wie eröffnet THz-Spektroskopie einen
neuen Zugang zur Messung und Manipu-
lation von Magnonen, und welche Quan-
tenphänomene sind bei nichtlinearer
Anregung über Spinströme zu erwarten?
Insgesamt widmeten sich diesen Fragen
27 halbstündige Vorträge (16 davon
eingeladen), überwiegend gehalten von
Nachwuchsgruppenleiter/innen und
Doktorand/innen, begleitet durch zwei
lebhafte Postersitzungen, bei denen die
drei besten Poster mit Geldpreisen ausge-
zeichnet wurden.
Wir bedanken uns bei der Wilhelm und
Else Heraeus-Stiftung und insbesondere
bei Martina Albert für die finanzielle und
organisatorische Unterstützung.
Helmut Schultheiß und Andrii Chumak
Hybrid Systems for Quantum
Optics
604. WE-Heraeus-Seminar
Die Quantentechnologie könnte in
Zukunft die etablierten Ansätze in der
Elektronik, Informatik, Metrologie und
Kommunikationstechnik von Grund auf
revolutionieren. Daher wird weltweit ver-
sucht, skalierbare Plattformen für Quan-
tentechnologien zu entwickeln, in China,
Großbritannien und z. T. in den USA mit
umfangreichen Förderprogrammen. Bis-
her lag der Fokus hierbei auf jeweils einem
spezifischen Quantensystem, z. B. Halblei-
ter-Quantenpunkten, ultrakalten Atomen
oder Defektzentren. In den einzelnen
Gebieten gelang es in den letzten Jahren,
Verschränkung, einfache Quantenalgo-
rithmen und Quantenkommunikation ex-
perimentell zu testen. Trotz dieser beein-
druckenden Fortschritte ist bis heute kein
Weg zu einer echten Quantentechnologie-
plattform sichtbar, die auf einem einzigen
Quantensystem basiert. Zum Beispiel
eignen sich organische Moleküle sehr gut
als Einzelphotonenquellen, können Quan-
teninformationen aber nicht speichern. Im
Gegensatz dazu lassen sich ausgezeichnete
Quantenspeicher in Ensembles aus ul-
trakalten Atomen implementieren. Diese
eignen sich aber weniger zur effizienten
Erzeugung einzelner Photonen. Aus die-
sen Widersprüchen entstand die Idee von
Quantenhybridsystemen.
Wie sich das Beste aus den verschie-
denen Welten der Quantenphysik in
einer hybriden Quantentechnologie-
plattform verbinden lässt, wurde in dem
604. WE-Heraeus-Seminar erörtert, das
vom 10. bis 13. Januar stattfand. Über 80
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus
14 Ländern diskutierten bis in die späten
Abendstunden intensiv über aktuelle
Resultate und neuste Ideen. Als vielver-
sprechender Ansatz kristallisierten sich
hierbei heterogene Quantennetzwerke
heraus. In solchen Netzwerken werden
verschiedene Funktionen wie Einzel-
photonenerzeugung, Speicherung von
Wilhelm und Else Heraeus-
Stiftung
Deadline für Anträge zur nächs-
ten Sitzung der Stiftungs-
gremien:
1. April 2016
(zur Sitzung Ende April 2016)
Bitte nehmen Sie schon vor der
Deadline Kontakt mit der
Stiftung auf.
#)
Das vollständige Pro-
gramm ist auf
www.dna-
plasmonics.de zu finden.




