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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 1617-9439/16/0303-62

D P G

N

ach dem Physikstudium

stehen einem praktisch alle

Türen offen – so machen einem

die eigenen Professoren meist vom

ersten Semester an klar. Physiker

sind gesuchte Fachkräfte und haben

nur wenig Probleme mit Arbeits­

losigkeit. Alles schön und gut.

Doch wenn einem alle Türen offen

stehen: Wie findet man dann für

sich selbst die Richtige? Woher soll

man als fertig ausgebildete Physike­

rin oder als Physiker wissen, ob

der gewünschte Job zu einem passt,

welche Stärken wo am meisten

gefragt sind und was einem über­

haupt jahrzehntelang Spaß machen

könnte? In dieser Situation kann

das DPG Mentoringprogramm hel­

fen, das im Jahr 2010 als Gemein­

schaftsprojekt von junger DPG, Ar­

beitskreis Industrie und Wirtschaft

und Arbeitskreis Chancengleichheit

ins Leben gerufen wurde und das

in diesem Jahr bereits in die siebte

Runde geht.

Das Programm richtet sich an

alle Physikerinnen und Physiker,

die kürzlich ihren Abschluss ge­

macht haben oder ihn im Men­

toringjahr planen bzw. die seit

höchstens drei Jahren in Industrie

und Wirtschaft tätig sind. Aus­

schlaggebend für die Aufnahme

in das Programm ist das Motivati­

onsschreiben, in dem die Mentees

ihre Erwartungen und Ziele für das

Mentoring formulieren müssen.

Die Mentoren stammen aus den

unterschiedlichsten Berufsfeldern –

von Patentanwälten über Unterneh­

mensberater oder Projektmanager

bis hin zur Wissenschaftsjournalis­

tin. „Das macht unser Programm

so vielseitig, dass es für jeden eine

persönlich interessante Erfahrung

bieten kann“, freut sich Projektleiter

Marcel Wunram.

Nach einem aufwändigen Mat­

chingverfahren, das neben fach­

lichen Übereinstimmungen auch

persönliche Interessen berücksich­

tigt, wird jedem ausgewählten Men­

tee für ein Jahr lang eine Mentorin

bzw. ein Mentor zur Seite gestellt.

Im derzeit laufenden Jahrgang

fanden sich auf diese Weise 76 sog.

Tandems bei insgesamt 121 Bewer­

bungen von Mentees und einem

Pool aus 229 Mentoren – eine ge­

waltige Entwicklung angesichts von

14 Tandems im ersten Jahrgang.

Nach dem Kennenlernen auf ei­

ner der vier Auftaktveranstaltungen

in Bad Honnef, Berlin, München

oder Heidelberg hilft der Mentor

seinem Mentee bei Fragen zur Kar­

riereplanung oder zu Bewerbungen

weiter, er teilt seine Erfahrungen

oder gibt Feedback zur persön­

lichen Entwicklung. Das Programm

lebt vom offenen, intensiven Aus­

tausch – zum Gewinn für beide Sei­

ten! „Für mich war der persönliche

Austausch mit dem Mentee sehr

bereichernd. Ich habe mich dabei

häufig gedanklich in die Situation

meines eigenen Berufseinstiegs zu­

rückversetzt und kann persönliche

Erfolge und bereits Geleistetes nun

erkennen und mehr wertschätzen“,

erklärt ein Mentor.

Die Vorteile für den Mentee

liegen auf der Hand: Im Idealfall

hat er einen Mentor an die Seite

gestellt bekommen, der ähnliche

Interessen hat und in einem Beruf

arbeitet, für den man sich selbst

interessiert. In dem Fall kann der

Mentor kompetente Antworten auf

branchenspezifische Fragen geben

und dem Mentee dabei helfen, ein

erstes berufliches Netzwerk auf­

zubauen. In jedem Fall kann man

von den Erfahrungen des Mentors

profitieren – und sei es, dass man

vielleicht nicht die gleichen Fehler

macht. Aber auch der Austausch

mit den anderen Mentees – auf der

Auftaktveranstaltung, beim Zwi­

schentreffen oder der Abschluss­

veranstaltung – kann hilfreich sein,

da man mit ihnen die aktuellen

n

Im Tandem zum Traumjob

Das DPG Mentoringprogramm geht in die siebte Runde.

Noch gut erinnere ich mich an die Orientierungslosigkeit:

Studium und der Großteil der Promotion lagen hinter mir,

da hatte ich immer noch keine Idee, was ich beruflich ma-

chen will. Als ich mich aber ans Zusammenschreiben setzte,

war mir plötzlich klar: Ich will journalistisch arbeiten! Wäh-

rend andere Doktoranden beim Zusammenschreiben näm-

lich stöhnten und am Ende des Tages oft keine Seite weiter-

gekommen waren, hatte ich Spaß daran.

Auf die Schnelle habe ich Bewerbungen geschrieben –

für Praktika, Volontariate und feste Redakteursstellen. Häu-

fig kam allerdings die Rückfrage, wo denn meine Arbeits-

proben seien. Aber die hatte ich nicht und auch keine Zeit,

noch welche anzufertigen. Mit einer Portion Glück bin ich

doch im Verlag gelandet und darf schreiben, mit Texten ar-

beiten, interessante Menschen kennenlernen, spannende

Experimente besuchen und meinen Traumjob ausüben.

Ich möchte jungen Physikerinnen und Physikern, die sich

für Wissenschaftsjournalismus interessieren, dabei helfen,

dass sie ihre beruflichen Ziele nicht nur durch Glück errei-

chen, sondern durch rechtzeitige Vorbereitung und Orien-

tierung. Diese Erfahrungen und das Wissen darüber, worauf

es in dem Job ankommt, möchte ich weitergeben.

Mein jetziger Mentee ist noch offen für alle Bereiche, ist

neugierig auf unterschiedliche Themengebiete und möch-

te wissen, worauf es ankommt, wie man leichter einen Ein-

stieg findet und was er jetzt – noch während der Promotion

– tun kann, um später leichter einen Job zu finden.

Maike Pfalz

M O T I VAT I O N E I N E R M E N T O R I N

Im Herbst 2015 trafen sich in Berlin Men-

tees und Mentoren des fünften und

sechsten Jahrgangs, um sich kennenzu-

lernen und Erfahrungen auszutauschen.

Fotos: M. Schlösinger