Background Image
Table of Contents Table of Contents
Previous Page  6 / 116 Next Page
Basic version Information
Show Menu
Previous Page 6 / 116 Next Page
Page Background

6

Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

A K T U E L L

Wohl kaum ein Förderprogramm

hat die deutschen Universitäten

dermaßen in Aufruhr versetzt wie

die Exzellenzinitiative.

+)

Bund und

Länder haben stolze 4,6 Milliarden

Euro für 12 Jahre zur Verfügung

gestellt und die Universitäten dazu

aufgerufen, ihr Profil zu schärfen

und sich fachlich auszudifferen­

zieren. Inzwischen ist klar, dass die

Exzellenzinitiative nicht 2017 enden

wird. Um aber zu entscheiden, wie

genau es danach weitergehen soll,

haben Bund und Länder im Herbst

2014 eine internationale Experten­

kommission eingesetzt, um die

Exzellenzinitiative zu evaluieren.

Ende Januar hat die Kommission,

die der emeritierte Physikprofessor

von der ETH Zürich, Dieter Imbo­

den, zusammengestellt und geleitet

hat, ihren mit Spannung erwarteten

Bericht vorgelegt.

#)

Die Kernbotschaft lautet: Die

Exzellenzinitiative hat ihr wich­

tigstes Ziel, nämlich eine neue

Dynamik in das deutsche Univer­

sitätssystem zu bringen, erreicht.

Die Kommission empfiehlt daher,

die Exzellenzinitiative mindestens

wie bisher fortzusetzen, d. h. mit

rund 500 Millionen Euro pro Jahr

zu finanzieren. Dies deckt sich

mit dem Beschluss der Gemein­

samen Wissenschaftskonferenz

(GWK) vom 11. Dezember 2014.

Dieter Imboden hebt aber hervor:

„Die Exzellenzinitiative hat das

Bewusstsein gestärkt, dass die Uni­

versitäten sich bewegen müssen.

Nun müssen die Universitäten diese

Erkenntnis auch umsetzen.“ Der

Weg in die Gruppe der globalen

Spitzenuniversitäten sei daher noch

lang. Insbesondere haben sich die

deutschen Universitäten noch nicht

genügend nach Forschungsschwer­

punkten ausdifferenziert. Dies

erfordere unter anderem eine grö­

ßere universitäre Autonomie mit

starken Führungsstrukturen („Go­

vernance“) – auch hier sieht die

Kommission Nachholbedarf. „Für

mich der wichtigste Punkt ist, dass

die Universitäten anfangen, sich als

Einheit zu begreifen, und dies auch

nach außen vertreten“, empfiehlt

Imboden.

Im Zuge des Wettbewerbs­

föderalismus kann die Exzellenz­

initiative nun auf die Landes­

hochschulgesetze einwirken und

dadurch die institutionellen Rah­

menbedingungen des gesamten

deutschen Universitätssystems

verbessern, so der Bericht. Auch

die Internationalisierung kann die

Initiative positiv beeinflussen. Die

Situation für den wissenschaft­

lichen Nachwuchs habe sich aller­

dings eher verschärft, da er durch

die zahlreichen neuen befristeten

PostdocStellen länger an der Uni

bleiben könne. „Die Weichen für

eine Karriere in der Wissenschaft

oder eben in der Industrie müssen

früher gestellt werden“, ist Dieter

Imboden überzeugt. „Beim Ballett

gibt es eine ebenso starke Selektion,

dort findet das aber niemand unge­

recht.“

Für die Fortsetzung der Exzel­

lenzinitiative empfiehlt die Kom­

mission zunächst, die laufenden

Projekte bis 2019 zu fördern. Das

mildert den Zeitdruck auf Seiten

der Universitäten und gibt ausrei­

chend Zeit, um die Vorschläge der

Kommission auszugestalten. Einer

davon ist es, künftig nur noch zwei

statt drei Förderlinien anzubieten:

Die Exzellenzcluster bleiben er­

halten, sollen vom Zuschnitt her

risikofreudiger und offener im

Hinblick auf Thematik und finanzi­

n

Empfehlungen für Exzellenz

Ende Januar hat die internationale Expertenkommission ihre Empfehlungen zur

Fortsetzung der Exzellenzinitiative vorgestellt.

+)

Weitere Artikel zur

Exzellenzinitiative in un­

serem Dossier

www.pro

­

physik.de/phy/physik/

dossier.html?qid=1158815

#)

Der Bericht findet

sich unter

www.gwk

­

bonn.de/fileadmin/Pa­

pers/ImbodenBe­

richt2016.pdf

Die LMU München ist eine der Universitäten, die mit ihrem Zukunftskonzept schon

2006 in der ersten Antragsrunde der Exzellenzinitiative überzeugen konnten.

LMU

n

Lehrerausbildung im Quadrat

Das KIT und die PH Karlsruhe erhalten

für das Verbundprojekt MINT

2

KA in

den nächsten fünf Jahren bis zu zwei

Millionen Euro vomWissenschaftsmi-

nisterium Baden-Württemberg. Damit

wird u. a. ein gemeinsames fachdidak-

tisches Promotionskolleg eingerichtet.

n

Kurzbefristungen unterbinden

Mit dem„Ersten Gesetz zur Änderung

des WissZeitVG“ steuert die Bundesre-

gierung Fehlentwicklungen in der Be-

fristungspraxis entgegen. Die Befris-

tungsdauer soll künftig nur von der an-

gestrebten Qualifikation oder dem

Projektzeitraum bei Drittmittelfinan-

zierung abhängen. Damit erhält der

wissenschaftliche Nachwuchs mehr

Planbarkeit.

n

Transistoren mit einem Elektron

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Ros-

sendorf erforscht mit dem EU-Projekt

Ions4Set die Möglichkeit, Transistoren

massenweise zu produzieren, die mit

einem Elektron geschaltet werden. Ihr

Einsatzgebiet ist das rasant wachsende

„Internet der Dinge“. Mit Partnern aus

fünf europäischen Ländern stehen in

vier Jahren insgesamt vier Millionen

Euro zur Verfügung.

K U R Z G E F A S S T