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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3
© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
A K T U E L L
In der Astronomie ist die Entde
ckung von Exoplaneten mittlerwei
le Routine. Bislang ließen sich über
2074 Planeten in rund 1321 extraso
laren Systemen nachweisen. Bis An
fang April kann die Öffentlichkeit
die Suche nach einem erdähnlichen
Exoplaneten um unseren nächsten
Sonnennachbarn Proxima Centauri
mitverfolgen. Die Beobachtungs
kampagne, die seit Mitte Januar
läuft, wird von Blogs und Sozialen
Medien begleitet. Tägliche Updates
geben der breiten Öffentlichkeit
die Gelegenheit, sich über den
Fortschritt der Beobachtungen und
Ereignisse an den beteiligten Ob
servatorien zu informieren.
1)
„Wir gehen das Risiko ein, die
Öffentlichkeit zu beteiligen, noch
bevor wir überhaupt wissen, was
uns die Beobachtungen sagen
werden“, sagt Guillem Anglada
Escude, der Projektkoordinator.
Eine erfolglose Suche ist also
nicht ausgeschlossen. Doch die
Astronomen sind optimistisch:
Frühere Beobachtungen ergaben
vielversprechende, wenn auch noch
zu schwache Hinweise auf einen
kleinen Begleiter, der diesen roten
Zwergstern umkreisen könnte.
Die Beobachtungen werden
mit dem „High Accuracy Radial
velocity Planet Searcher“ (HARPS)
durchgeführt, der am 3,6Meter
Teleskop der ESO am La Silla
Observatorium befestigt ist. Zwei
Teleskopnetzwerke (BOOTES und
LCGOT) unterstützen die Suche,
indem sie die Helligkeit von Pro
xima Centauri in jeder Nacht des
auf zweieinhalb Monate angesetz
ten Projekts messen. Mit diesen
Beobachtungen entscheiden die
Astronomen, ob Schwankungen
der Sternbewegung auf Eigenschaf
ten seiner turbulenten Oberfläche
beruhen oder durch einen umlau
fenden Planeten verursacht sind.
Sobald die Daten von den ver
schiedenen Teleskopen vorliegen,
können die Astronomen ihre
Analysen starten. In den darauf fol
genden Monaten geht es darum, die
Untersuchungsmethoden und die
Schlussfolgerungen in einem Fach
artikel zu beschreiben. Die Ver
öffentlichung bildet den Abschluss
des publikumswirksamen Projekts.
Die Öffentlichkeit kann neben der
wissenschaftlichen Beobachtung
verfolgen, wie Forschung an mo
dernen Observatorien betrieben
wird und wie Astronomen koope
rieren, um Daten zu sammeln, zu
analysieren und zu interpretieren.
Der Name der Kampagne wurde
vom berühmten „Pale Blue Dot“Bild der Erde inspiriert, das die
Sonde Voyager 1 im Jahr 1990 auf
Anregung von Carl Sagan aus einer
Entfernung von etwa sechs Milli
arden Kilometern aufgenommen
hat. Da Proxima Centauri ein roter
Zwergstern ist, erwarten Astro
nomen, dass ein Exoplanet, der ihn
umläuft, rötlich erscheint.
ESO / Alexander Pawlak
n
Planetenjagd live verfolgen
Astronomen suchen einen Planeten um den sonnennächsten Stern, und die Öffentlichkeit ist Zeuge.
Proxima Centauri ist rund 4,2 Lichtjahre
von unserer Sonne entfernt.
ESA / Hubble & NASA
Die Europäische Union hat ihr
7. Forschungsrahmenprogramm
(FP7), das von 2007 bis 2013 lief
und inzwischen von Horizon 2020
abgelöst wurde, evaluieren lassen.
+)
Eine unabhängige „High Level
Expert Group“ unter Leitung von
Louise O. Fresco (Universität Wa
geningen, Niederlande) und André
Martinuzzi (Wirtschaftsuniversität
Wien, Österreich) hat die Evalua
tion mit dem Ergebnis durchge
führt, dass die Auswirkungen der
eingesetzten Forschungsgelder zwar
sehr positiv waren, gleichzeitig aber
z. B. die Strukturen des Programms
zu komplex.
Insgesamt flossen im FP7 bis
her 55 Milliarden Euro – erst 2018
werden die letzten Maßnahmen
abgeschlossen sein. Obwohl dies
nur drei Prozent der gesamten
europäischen Forschungsund Ent
wicklungsausgaben im fraglichen
Zeitraum waren, spricht der Evalu
ationsbericht den FP7Maßnahmen
eine entscheidende Wirksamkeit
zu. So schätzt er den „Return“ in
neuen Produkten und Technolo
gien und das „ökonomische Poten
zial“ auf bis zu 500 Milliarden Euro.
Die FP7Projekte führten zu 1700
Schutzrechtsanmeldungen (Intel
lectual Property Registrations), 125
SpinoffGründungen, 165 000 wis
senschaftlichen Veröffentlichungen
und allein 2014 zu einem Nobel
preis und zwei FieldsMedaillen.
Universitäten erhielten 44 Prozent,
Forschungsorganisationen 27 Pro
zent, Großkonzerne 11 Prozent und
kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) 13 Prozent der Mittel. Bei
den Universitäten waren britische,
niederländische und deutsche
Hochschulen am erfolgreichsten.
Allerdings wurden in Deutsch
land viele geförderte Projekte
nicht universitär, sondern über die
MaxPlanckund die Fraunhofer
Gesellschaft organisiert. Südund
n
Europäische Forschungsförderung: Rückblick und Ausblick
Evaluation des 7. Forschungsrahmenprogramms und Szenarien für 2050
+)
ec.europa.eu/re
search/evaluations/in
dex_en.cfm
&)
ec.europa.eu/re
search/foresight/pdf/
knowledge_future_2050.
1)
Die Homepage des
Projekts findet sich auf
palereddot.org .




