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14

Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

n

Photovoltaik mit Durchblick

Aus Oxiden einfach verfügbarer

Metalle lassen sich transparente

Solarzellen herstellen.

Bislang sind Solarzellen vor allem

für den sichtbaren Spektralbereich

ausgelegt. Wenn sich das ändern

ließe, wären neue Anwendungen

möglich. Zum Beispiel könnte man

Fenster und Glasdächer zur Strom-

erzeugung nutzen. Auch Displays

bekämen so neben ihrer Aufgabe

als Benutzerschnittstelle eine zweite

Funktion, etwa in Smartphones.

Geeignete Solarzellen müssten aber

nicht nur im UV- oder IR-Bereich

Photonen absorbieren, sondern

gleichzeitig im visuellen Spektrum

transparent bleiben. Bisher schie-

nen dafür vor allem organische

Materialien geeignet. Wissenschaft-

ler um Marius Grundmann von

der Universität Leipzig haben nun

Solarzellen aus Zink- und Nickel-

oxiden entwickelt.

1)

Die Herausforderung bestand

darin, einen transparenten pn-

Heteroübergang zu entwickeln,

der nicht nur als Photodetektor

funktioniert, sondern tatsächlich

Photonen in elektrischen Strom

umwandelt. Der Heteroübergang

der Leipziger Forscher besteht aus

einer n-leitenden Schicht ZnO und

einer p-leitenden Schicht NiO, die

physikalisch aus der Gasphase auf

ein Substrat abgeschieden wurden.

Die Zelle besitzt eine Absorptions-

kante bei 380 nm und ist daher

nur für UV-Licht empfindlich. Die

UV-Photonen werden in der ZnO-

Schicht absorbiert. Der ZnO/NiO-

Übergang trennt die durch die Pho-

tonen erzeugten überschüssigen

Ladungsträger, indem die Löcher

aus der ZnO- in die NiO-Schicht

wandern.

Im sichtbaren Spektralbereich

erreicht die Zelle eine durchschnitt-

liche Transmission von 46 Prozent.

Dieser Wert dürfte problemlos zu

steigern sein, wie Messungen an

transparenten Transistoren mit

NiO-Gate zeigen (Transmission um

80 Prozent). Die externe Quanten-

ausbeute der Zelle liegt bei maximal

55 Prozent. Allerdings erreicht der

elektrische Wirkungsgrad über das

gesamte Spektrum aufgrund des

hohen Innenwiderstands der Zelle

nur 0,1 Prozent, bezogen auf den

UV-Bereich immerhin 3,1 Prozent.

n

Molekularer Fitness-Tracker

Ein Multisensor-Armband erfasst

Signalstoffe im Schweiß.

Die Auswahl an Fitness-Trackern

für die Überwachung von Bewe-

gung und Herzschlag wächst rasch.

Wissenschaftler der University

of California in Berkeley und der

Stanford University haben nun ein

Konzept vorgestellt, bei dem ein

vollintegriertes, drahtloses Sen-

sorarmband die Verfassung eines

Menschen auf molekularer Ebene

überwacht.

2)

Dazu werden Signal-

stoffe im Schweiß analysiert, die

über den physiologischen Zustand

und Stoffwechsel des Trägers Aus-

kunft geben.

Die Auswerteelektronik des Sen-

sors befindet sich auf einer elasti-

schen Platine, die auf einem Kunst-

stoffband befestigt ist. Das Band

lässt sich zum Beispiel am Hand-

gelenk tragen und detektiert die

Signalstoffe mit einer Anordnung

aus funktionalisierten Elektroden.

Die Signale gelangen per Bluetooth

zu einer App.

Schweiß enthält hunderte unter-

schiedliche Teilchen – von ein-

fachen Natrium- und Kalium-Ionen

bis zu komplexen organischen

Molekülen wie Glukose und Laktat.

Ihr Anteil gibt Auskunft über die

Verfassung der Person. Für jede

Substanz ist bei dem neuartigen

Fitness-Tracker jeweils eine andere

Elektrode zuständig. Zur Messung

des Glukose- und Lactat-Spiegels

sind auf den Elektroden jeweils

spezifische Enzyme aufgebracht.

Um Kalium- und Natrium-Ionen

zu registrieren, befindet sich auf

der jeweiligen Elektrode eine spezi-

fische ionenselektive Schicht. Da al-

le Messungen temperaturabhängig

sind, erfasst ein Widerstandssensor

kontinuierlich die Temperatur an

der Hautoberfläche des Trägers.

Die Wissenschaftler haben ihr

Multisensor-Armband an einigen

Dutzend Personen getestet. Inte-

ressant könnte die Technologie für

die Diagnose von Krankheiten, im

Leistungssport oder bei Drogen-

tests werden.

n

Wirkstoffe gezielt freisetzen

Ein hydrodynamisches System

erzeugt Tropfen, die Substanzen

getrennt transportieren.

Bei heutigen Chemotherapien ge-

langt meist nur ein kleiner Teil des

Wirkstoffs zum Tumor, der Groß-

teil wird auf demWeg dorthin von

anderen Organen aufgenommen

und schädigt diese. Schon länger

denken Wissenschaftler daher über

Verfahren nach, umWirkstoffe

möglichst nebenwirkungsfrei an

ihren Einsatzort zu befördern.

Forscher der University of Science

and Technology of China in Hefei

und der Ohio State University in

Columbus haben gemeinsam ein

Verfahren entwickelt, das auf einem

hydrodynamischen Ansatz beruht.

3)

Sie verwenden ein System aus

zwei feinen Nadeln, die sich in

1)

R. Karsthof

et al.,

Phys. Status Solidi A

213

,

30 (2016)

2)

W. Gao

et al., Nature

529

, 509 (2016)

3)

T. Si

et al., Appl. Phys.

Lett.

108

, 021601 (2016)

Das Labormuster

der transparenten

Metalloxidsolar-

zelle besitzt noch

einen eher kleinen

Wirkungsgrad.

Swen Reichhold/Universität Leipzig

Der Tracker der US-Forscher sitzt am

Handgelenk und analysiert den Schweiß.

W. Gao et al.