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© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

11

A K T U E L L

Die einheitlichen Definitionen

erlauben es, die Daten einmal für

alle Berichte zu erstellen, sodass der

Aufwand aufseiten der Berichten­

den kleiner wird. Gleichzeitig liefert

der Standard vergleichbarere Daten

als bisher. Ein Beispiel aus dem

Bereich Beschäftigte: Der Kernda­

tensatz unterscheidet zwischen der

Anzahl der Personen (Kopfzahlen)

und den Vollzeitäquivalenten. Aus

dem Vergleich der Daten ergibt sich

direkt ein Maß für Teilzeitverträge,

ohne dass diese im Detail aufge­

führt sind.

Damit die Vorgabe breite Zu­

stimmung und später auch An­

wendung findet, prüften zunächst

einige Piloteinrichtungen ihre

Praxistauglichkeit. Anschließend

hatten alle Forschungseinrich­

tungen die Möglichkeit, Verbesse­

rungsvorschläge zu machen. Etwa

1800 Rückmeldungen gingen in die

nun vorliegende Version 1.0 ein.

2)

Um Veränderungen imWissen­

schaftssystem zu berücksichtigen,

plant der WR, den Kerndatensatz

alle fünf Jahre zu analysieren und

weiterzuentwickeln.

WR / Kerstin Sonnabend

n

Der Kern der Sache

Der Wissenschaftsrat präsentiert

eine Vorgabe zur Erhebung von

Forschungsdaten.

Für Hochschulen und andere

Forschungseinrichtungen gehört

es zum Alltag, Berichte über ihre

Forschungsaktivitäten zu verfassen.

Drittmittelgeber wie die DFG oder

das BMBF holen zur Evaluation der

Projekte Daten ein, die ähnliche In­

halte betreffen. Dennoch mangelte

es bisher an einheitlichen Definiti­

onen und einem Standard, welche

Daten den Kern eines Forschungs­

berichts bilden sollen. Mehr als

zwei Jahre nach der Empfehlung

des Wissenschaftsrats (WR), einen

„Kerndatensatz Forschung“ zu

entwickeln, gibt es nun eine Vor­

gabe, die unter Federführung des

Deutschen Zentrums für Hoch­

schulund Wissenschaftsforschung

entstand.

1)

Danach sollen die Kerndaten die

sechs Bereiche Beschäftigte, Nach­

wuchsförderung, Drittmittel und

Finanzen, Patente und Ausgrün­

dungen, Publikationen sowie For­

schungsinfrastrukturen abdecken.

1)

Vollständiger Text un­

ter

www.wissenschafts

­

rat.de/download/ar­

chiv/506616.pdf

2)

Spezifikation des

Kerndatensatz For­

schung,

www.kerndaten­

satzforschung.de

Mit dem Green IT Cube wurde eines

der leistungsfähigsten wissenschaft-

lichen Rechenzentren der Welt auf

dem Gelände des GSI Helmholtzzen-

trums für Schwerionenforschung in

Darmstadt eröffnet. Die Anlage spart

Energie und Kosten: Die Rechner wer-

den nicht mit Luft, sondern mit Wasser

gekühlt und sind platzsparend auf

sechs Stockwerken angeordnet. Das

innovative Konzept der Anlage, die

Volker Lindenstruth (FIAS) federfüh-

rend entwickelt hat, wurde bereits

mehrfach ausgezeichnet, unter ande-

rem mit dem „Green IT Best Practice

Award“ des Bundesministeriums für

Wirtschaft und Energie. (KS)

G R Ü N E R WÜ R F E L

G. Otto/GSI

osteuropäische Universitäten waren

infolge der Finanzkrise aufgrund

zu geringer Eigenmittel nur relativ

schwach vertreten – dieser Trend

hat sich im Nachfolgeprogramm

Horizon 2020 noch verstärkt.

Die Evaluierungsgruppe kri­

tisiert neben der zu komplexen

Struktur der verschiedenen För­

derprogramme auch die zu geringe

Zahl außereuropäischer Teilneh­

mer, die ineffektiven internen Eva­

luierungen und vor allem den nach

wie vor zu niedrigen Frauenanteil.

So stieg der Anteil der Projekt­

koordinatorinnen zwischen 2006

und 2012 nur von 16 auf 19 Prozent.

Etwa gleichzeitig mit der FP7­

Evaluation erhielt die Europäische

Kommission den Bericht „The

Knowledge Future: Intelligent po­

licy choices for Europe 2050“ von

der Kommission KT2050.

&)

Diese

18köpfige unabhängige Exper­

tengruppe von EUBefürwortern

und Skeptikern aus Wissenschaft,

Wirtschaft und Politik unter der

Leitung des USamerikanischen

Wissenschaftsjournalisten Richard

L. Hudson entwarf zwei Szenarien

für das Jahr 2050, in denen Europa

entweder Forschung, Innovation

und Hochschulen erfolgreich re­

formiert und weltweit vernetzt hat

oder aber von globalen Megatrends

fremdgesteuert wird.

Um nicht in das zweite Szenario

zu gelangen, sei es laut Hudson

wichtig, eine offene Wissensge­

sellschaft zu gestalten, regional

verteilte, autonom agierende Inno­

vationszentren zu schaffen und

in ganz Europa politisch und wis­

senschaftlich zu kooperieren. Eine

entscheidende Voraussetzung dafür

sei eine ausreichende öffentliche

Finanzierung: „Wissen ist nicht

billig.“ Dies gelte insbesondere für

Themen der Grundlagenforschung

wie Kosmologie oder Quantenphy­

sik, die von der privatwirtschaftlich

organisierten Forschung nicht abge­

deckt werden. Daher ist für KT2050

ein „WorstcaseSzenario“ für die

Wissensgesellschaft, wenn es Kon­

zernen und großen Privatvermögen

weiterhin gelingt, Steuerzahlungen

weitgehend zu vermeiden.

Matthias Delbrück