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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3
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A K T U E L L
ellen Umfang sein und eine Laufzeit
von sieben bis acht Jahren haben.
In der zweiten Förderlinie „Exzel
lenzprämie“ sollen die zehn besten
Universitäten über einen Zeitraum
von ebenfalls sieben bis acht Jahren
eine Jahresprämie von 15 Millionen
Euro erhalten. Damit können die
Universitätsleitungen beispiels
weise bestehende oder im Aufbau
befindliche vielversprechende For
schungsgebiete nach eigener Aus
wahl stärken.
Diese Empfehlungen stehen
im Einklang mit Vorschlägen des
Deutschen Hochschulverbandes
(DHV) oder der German U15,
einem Zusammenschluss von 15
forschungsstarken Universitäten
in Deutschland. Beide hatten bei
spielsweise gefordert, die Förder
zeiträume zu verlängern, innovative
GovernanceModelle zu unter
stützen und zehn Spitzenstandorte
Satelliten in niedriger Erdumlauf
bahn können ihre Daten erst zur
Erde senden, wenn sie in Reichwei
te einer Bodenstation gelangen. Für
zeitkritische Daten ist diese Warte
zeit von bis zu neunzig Minuten oft
zu lang. Daher hat die europäische
Weltraumorganisation ESA im
Rahmen einer öffentlichprivaten
Partnerschaft mit Airbus Defence
and Space das ehrgeizige Telekom
munikationsprogramm European
Data Relay Satellite System (EDRS)
ins Leben gerufen: Bis 2017 sollen
zwei Laserterminals auf geostati
onären Bahnen die Daten mit Ge
schwindigkeiten von 1,8 Gbit/s und
nahezu in Echtzeit zur Erde leiten.
Am 29. Januar ist das erste Termi
nal, EDRSA, an Bord einer Proton
Rakete von Baikonur in Kasachstan
gestartet.
Ein Objekt auf einer geostati
onären Bahn in einer Höhe von
rund 36 000 Kilometern scheint
am Himmel still zu stehen, wenn es
exakt die gleiche Winkelgeschwin
digkeit besitzt wie die Erde. Die
Laserterminals sind daher ständig
in Kontakt mit einer der Boden
stationen von EDRS.
1)
Wenn sie
einen erdnahen Kommunikations
satelliten lokalisieren, stellen sie zu
nächst eine Verbindung her. Dann
schickt der Satellit seine Daten an
das EDRSModul, das sie über eine
Hochgeschwindigkeitsfunkverbin
dung an die Bodenstationen wei
terleitet. Von dort aus werden die
Daten den Nutzern zur Verfügung
gestellt.
Das Deutsche Zentrum für Luft
und Raumfahrt (DLR) entwickelte
und baute die Laserterminals der
EDRSKnoten. Zudem ist das Deut
sche Raumfahrtkontrollzentrum
des DLR in Oberpfaffenhofen dafür
zuständig, sie zu kontrollieren.
Dazu investierte das DLR aus For
schungsmitteln 8,7 Millionen Euro;
das Bayerische Staatsministerium
für Wirtschaft und Medien, Ener
gie und Technologie stellte weitere
n
Datenautobahn im All
Optische Laserverbindungen sollen Satellitendaten schneller zur Erde leiten.
1)
Das Deutsche Zen
trum für Luftund
Raumfahrt betreibt zwei
Bodenstationen in Weil
heim. In Redu (Belgien)
und Harwell (England)
befindet sich jeweils eine
Bodenstation der ESA.
Die Laserterminals an Bord der EDRS-Satelliten entwickelte und baute das DLR. Sie
ermöglichen die Übertragung von Daten in Echtzeit mit Raten bis zu 1,8 Gbit/s.
DLR
zu schaffen und längerfristig zu
fördern. Der Evaluationsbericht ist
auf viel positives Echo gestoßen. So
begrüßte DHVPräsident Bernhard
Kempen insbesondere die unmiss
verständliche Empfehlung, weiter
hin auf die Förderung universitärer
Spitzenforschung zu setzen und das
Programm nicht auszuweiten, um
Fachhochschulen oder Spitzenregi
onen zu fördern. „Wissenschaftliche
Exzellenz muss sich in erster Linie
nach Leistung und nicht nach re
gionalem Proporz bemessen“, ist er
überzeugt. Auch der Präsident der
HelmholtzGemeinschaft, Otmar
Wiestler, freute sich über das posi
tive Zeugnis für die Exzellenzinitia
tive, die in seinen Augen essenziell
sei, um den Wissenschaftsstandort
Deutschland zu sichern und voran
zubringen. „Wir benötigen starke
und wettbewerbsfähige Universi
täten“, sagte Wiestler.
Wie die Empfehlungen der
Expertenkommission konkret um
gesetzt werden, muss sich zeigen.
Plan ist, in der GWKSitzung im
April eine neue BundLänder
Vereinbarung der Exzellenzinitia
tive zu beschließen und sie den
Regierungschefs von Bund und
Ländern im Juni zur Entscheidung
vorzulegen. Bleibt zu hoffen, dass
das Nachfolgeprogramm der Ex
zellenzinitiative dabei hilft, den
erfolgreich eingeschlagenen Weg
fortzusetzen und das Bewusstsein
für diese Veränderungen weiter zu
stärken. Denn ein weiteres Defizit
zeigte sich bei der Evaluation, wie
Dieter Imboden verdeutlicht: „Der
Funke ist noch nicht übergesprun
gen auf diejenigen Professoren und
Studierenden, die nicht direkt von
der Exzellenzinitiative profitiert
haben. Das soll sich ändern!“
Maike Pfalz




