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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

W

ärmekraftmaschinen begeg-

nen uns praktisch überall.

Die Umwandlung von Wärme-

energie in mechanische Arbeit ist

schließlich Basis für die meisten

Antriebsarten wie Dampfma-

schinen, Automotoren und Flug-

zeugtriebwerke. Ein typischer

Automotor bringt eine Leistung

von 100 Kilowatt und wiegt etwa

hundert Kilogramm. Das Arbeits-

medium umfasst dabei eine sehr

große Zahl von Molekülen in der

Größenordnung von 10

24

. Seit den

bahnbrechenden Arbeiten von

Sadi Carnot (1796– 1832) sind die

Grundprinzipien dieser makrosko-

pischen Wärmekraftmaschinen gut

verstanden. Betragen die Ausmaße

der Maschinen aber nur Mikrome-

ter oder gar Nanometer, ergeben

sich völlig neuartige Eigenschaften:

Statt allein durch Mittelwerte von

Messgrößen wie Arbeit, Wärme

und Druck sind mikroskopische

Maschinen auch von den Fluktuati-

onen dieser Größen bestimmt. Der

relative Einfluss der Fluktuationen

steigt stark an, wenn das Arbeits-

medium nur noch aus wenigen

oder sogar nur noch aus einem

einzigen Molekül besteht. Aus der

Sicht der klassischen Wärmeleh-

re überrascht es besonders, dass

sowohl die abgegebene Leistung

als auch der Wirkungsgrad einer

mikroskopischen Maschine fluktu-

ierende Größen werden.

Um solche Effekte genauer zu

studieren, ist es sinnvoll, Wärme-

kraftmaschinen mit Abmessungen

von wenigen Mikrometern zu bau-

en und zu betreiben. Dafür haben

Forscher einer Kollaboration von

Instituten in Spanien, Frankreich

und Deutschland nun ein in Wasser

befindliches Kolloidteilchen mit

einem Mikrometer Durchmesser

in einem stark fokussierten Laser-

strahl gefangen

[1]

. Die optische

Kraft und damit das einschließende

harmonische Potential, in dem

sich das Kolloidteilchen befindet,

stellten sie über die Intensität des

Laserlichts ein. Ändert man das

Potential schnell, führt dies zu

Carnot im Nanomaßstab

Bei einer winzigen Wärmekraftmaschine bestimmen Fluktuationen die thermodynamischen Größen.

einem adiabatischen Prozess. Bei

langsamer Variation arbeitet die

Maschine in einem isothermen

Takt. Solche Experimente, bei

denen Laser ein Glaskügelchen

in Wasser kontrollieren, dienten

bereits dazu, den Stirling-Kreis-

prozess zu demonstrieren

[2]

. Das

Forscher-Team hat damit nun einen

Carnot-Kreisprozess realisiert. Der

mikroskopische Kolben durchläuft

also die wohlbekannte Abfolge von

isothermer Kompression, adiaba-

tischer Kompression, isothermer

Expansion und adiabatischer

Expansion. Der besondere Trick

ist dabei eine maßgeschneiderte

Temperatur des mikroskopischen

Wärmebades. Dafür verwendeten

die Forscher elektrisch geladene

Kolloide, die sie mit einem ver-

rauschten elektrischen Antriebsfeld

anregten. Dadurch konnten sie eine

erheblich höhere Temperatur von

bis zu 1000 °C erreichen, als dies

in Wasser möglich gewesen wäre.

Um die Bewegung des Mikrokol-

bens im Arbeitstakt zu messen,

verfolgten die Forscher die perio-

dische Auslenkung der Kolloid-

kugel mit einem Mikroskop, um

daraus die geleistete Arbeit sowie

den Wirkungsgrad des Prozesses

zu bestimmen. Der Wirkungsgrad

bei maximaler Ausgangsleistung

beträgt nach Frank Curzon und Bo-

ye Ahlborn

η

CA

= 1 –√

T

k

/

T

w

und

hängt vom Verhältnis der Tempera-

turen des warmen und kalten Bades

ab. Im Experiment erreichte der

Wirkungsgrad bei einer Zyklusdau-

er von 40 Millisekunden, also bei

15 000 Umdrehungen pro Minute,

57 Prozent der maximal möglichen

Carnot-Effizienz – in guter Über-

einstimmung mit theoretischen

Erwartungen.

Martínez und Kollegen wiesen

erstmals die Fluktuationen beim

Wirkungsgrad nach (

Abb. 1

). Die

Daten zeigen eindrucksvoll, dass

der gemessene Wirkungsgrad die-

ser Mikromaschine eine breite Ver-

teilung aufweist. Mit einer gewissen

Wahrscheinlichkeit liegt der Wir-

kungsgrad über oder auch unter

dem Langzeit-Mittelwert, der sich

über sehr viele Zyklen ergibt. Ver-

blüffend ist dabei, dass in manchen

Realisierungen die gemessenen

Eigenschaften der Maschine deut-

lich besser sind als die klassischen

Abb. 1

Der Wirkungsgrad einer Wärme-

kraftmaschine im Mikrometermaßstab

fluktuiert bei maximaler Leistung deut-

lich. Das zeigt der Konturplot für die

Wahrscheinlichkeitsdichte bis 400 Takt-

zyklen. Selbst nach 400 Zyklen ist die

Verteilung noch breit. Erst über sehr lan-

ge Zeit und viele Taktzyklen gemittelt

erreicht der Wirkungsgrad einen festen

Grenzwert (blaue Linie).

η / η

carnot

Zahl

i

der Arbeitszyklen

400

300

200

100

0

4

3

2

1

0

–0,5

0

0,5

1

1,5

Wahrscheinlichkeitsdichte

ρ

i

nach [1]