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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

B

eim nächtlichen Ein- und

Aussteigen auf einem schlecht

ausgeleuchteten Parkplatz tritt man

schon mal unbeabsichtigt in eine

Pfütze oder stolpert über ein Hin-

dernis. Daher gibt es bei manchen

Fahrzeugen eine Art Außenbe-

leuchtung, die in Tür oder Außen-

spiegel integriert ist und den Boden

erhellen soll. Allerdings wandert

das Licht, wenn der Fahrer die Tür

bewegt, oder ist mitunter gar nicht

zu sehen, wenn die Tür geschlossen

ist. Um das zu vermeiden, lässt sich

neuerdings bei manchen Autos eine

Umfeldbeleuchtung zuschalten, die

gezielt den Boden vor den Türen

erhellt. Optisch gesehen handelt es

sich dabei um eine Projektion: Das

Licht einer hellen Quelle durch-

strahlt ein Dia, und ein Objektiv

vergrößert das Bild, das auf einer

Leinwand erscheint. Die Lichtquelle

ist im Fall des Fahrzeugs eine leis-

tungsfähige LED. Auf dem Dia ist

die Struktur abgebildet, die später

auf dem Boden – in diesem Fall die

Leinwand – erscheinen soll.

Bei dieser Art der Umfeldbe-

leuchtung bringt ein klassischer

Projektor mit einem Einzelobjektiv

jedoch eine grundsätzliche Ein-

schränkung mit sich: Wie hell die

projizierten Bilder wirken, hängt

von der Größe des Objektivs ab.

Denn der Durchmesser des Objek-

tivs skaliert mit seiner Baulänge,

weil bei der Projektion das Licht

unter einem gegebenen Öffnungs-

winkel auf das Objektiv trifft.

Um ein größeres Objektiv aus-

zuleuchten, muss es bei gleichem

Öffnungswinkel in einer größeren

Entfernung von der Lichtquelle

stehen. Gleichzeitig bestimmt der

Durchmesser des Objektivs den

Lichtstrom, also die Lichtmenge,

die pro Zeiteinheit durch das Ob-

jektiv tritt. Der begrenzte Platz im

Schweller – dem Teil der Karosserie

unter dem Türeinstieg – führt bei

einem Einzelobjektiv dazu, dass der

Lichtstrom nicht ausreicht, um das

Umfeld ausreichend auszuleuchten.

Ein ähnliches Problem ist vom

Gartenschlauch bekannt: Schrumpft

sein Durchmesser, tritt eine gerin-

gere Menge an Wasser aus. Um die

Wassermenge zu erhöhen, kann

man viele dünne Schläuche anein-

anderfügen. Ähnlich ist das Platz-

problem auch bei der Umfeldbe-

leuchtung lösbar. An die Stelle eines

großen Objektivs tritt eine Anord-

nung aus vielen kleinen Objektiven:

Statt eines optischen Kanals gibt

es viele Kanäle, deren Anzahl den

Lichtstrom bestimmt. Die Optik des

Projektors im Schweller besteht aus

einem quadratischen Array, das eine

Fläche von etwa 10 mal 10 Millime-

tern hat. Darin sind 150 Mikrolin-

sen matrixförmig angeordnet. Die

Dicke des Arrays, also seine Baulän-

ge, beträgt nur wenige Millimeter,

was den Platzbedarf im Vergleich

zu einem klassischen Projektor um

einen Faktor zwölf reduziert.

Solche Mikrolinsen-Arrays

entstehen mit Hilfe von UV-Abfor-

mung (

Abb. 1

). Flüssiges Polymer-

harz härtet dabei unter UV-Licht

zwischen einem Substrat (z. B. Glas)

und einem transparenten Abform-

werkzeug aus. Das Dia mit der

Struktur der Umfeldbeleuchtung

lässt sich auf der Rückseite des Sub-

strats als dünne Schicht aufbringen.

Jede Mikrolinse besitzt die gleiche

Brennweite und erzeugt ein ver-

größertes Bild des Dias. Alle Bilder

überlagern sich auf dem Boden,

der bezogen auf die Brennweite des

Arrays im Unendlichen liegt, und

sorgen so für eine ausreichende

Bildhelligkeit.

Da jede einzelne Mikrolinse des

Arrays weniger als einen Milli-

meter groß ist, tritt das Licht der

LED nur unter kleinen Winkeln

in sie ein, sodass die optischen

Abbildungsfehler des Systems gut

beherrschbar sind. Allerdings ent-

steht Streulicht, wenn Lichtstrahlen

nicht vollständig parallelisiert sind

und ein optisches Übersprechen

der Kanäle hervorrufen. Um das

Streulicht zu verringern, wird

n

Ein Teppich aus Licht

Den Boden direkt neben einem Fahrzeug zu beleuchten, ist schwieriger als man denkt.

Wenn konventionelle Optiken nicht infrage kommen, sind Mikrolinsen die Lösung.

Abb. 1

Mikrolinsen-Arrays entstehen mittels UV-Abformungs-

verfahren mit Genauigkeiten von Mikrometern. Je mehr Mikro-

linsen im Array enthalten sind, desto höher ist der Lichtstrom

durch das System, ohne dass sich seine Baulänge verändert.

Fraunhofer IOF

Mit Hilfe einer Umfeldbeleuchtung lässt

sich der Boden entlang des Autos von

den Fronttüren bis zum Heck erhellen.

Die Projektionseinheiten dafür befinden

sich unter dem Türeinstieg an der Karos-

serie des Wagens.

BMW