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© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

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tischen und in der relativistischen

Physik gleich lauten! Es ist gewis-

sermaßen die Basis für

alle

Physik,

da fast alle physikalischen Gesetze

nur in Inertialsystemen gelten oder

jedenfalls dort ihre einfachste Form

annehmen.

Die große Leistung von Lange

ist bis etwa 1910 vielfach und pro-

minent gewürdigt worden, etwa

von Mach, vom Astronomen Hugo

von Seeliger, vom Logiker Gottlob

Frege und vor allem von Max von

Laue. Danach ist sie offenbar in

Vergessenheit geraten, ohne dass

Langes Erkenntnisse Allgemeingut

geworden wären.

Freie Teilchen und gerade Linien

Ludwig Langes Formulierung des

Trägheitsgesetzes stellt gegenüber

früheren Konzepten einen erheb-

lichen Fortschritt dar. Doch ihr haf-

teten noch Mängel an, wie etwa Fre-

ge mit Recht monierte: Die Begriffe

„sich selbst überlassener Punkt“

(oder freies Teilchen) und „gerade

Linie“ sind konzeptionell und ex-

perimentell keineswegs so einfach

festzulegen, wie es scheint, sondern

sie sind fast ebenso schwer fassbar

wie das Trägheitsgesetz selbst. Die

auch in Lehrbüchern durchaus

populäre Charakterisierung freier

Teilchen als „kräftefrei“ beruht auf

einem Zirkelschluss, weil Kräfte

eben erst in Newtons Gesetz II defi-

niert werden, das aber nur in Iner-

tialsystemen gemäß Gesetz I gilt.

Auch die Charakterisierung von

freien Teilchen als „weit entfernt“

von anderen Objekten ist nicht

wirklich tragbar, da es unmöglich

ist zu sagen, welcher Abstand je-

weils genügend groß ist, zumal Gra-

vitation und Elektromagnetismus

im Prinzip unendliche Reichweite

haben. Im Gegensatz zu diesen Ver-

suchen, freie Teilchen durch äußere

Bedingungen zu charakterisieren,

habe ich vorgeschlagen, eine Cha-

rakterisierung durch innere Eigen-

schaften vorzunehmen

[7]

: „Freie

Teilchen sind inaktive Testobjekte

mit nur einer nichttrivialen Eigen-

schaft: Masse.“

Gerade Linien werden häufig

durch starre Körper (Maßstäbe)

repräsentiert. Das ist aber sicher

kein geeigneter Ausgangspunkt

für die Grundlagen der Physik, da

starre Körper komplizierte, sekun-

däre Objekte der Mechanik (wenn

nicht der Quantenmechanik) sind.

Außerdem bricht in den Relativi-

tätstheorien das Konzept eines

starren Körpers weitgehend zusam-

men. Da die Bahnen von inaktiven

Testobjekten durch Anfangsereignis

und Anfangs-(Vierer-)Geschwin-

digkeit eindeutig bestimmt sind,

genügen sie in einem beliebigen

Koordinatensystem

x

μ

und mit der

Eigenzeit

τ

den Differentialglei-

chungen 2. Ordnung d

2

x

μ

/

d

τ

2

= f

μ

mit geeigneten Funktionen

f

μ

. Die

einfachste Wahl

f

μ

0 führt zu ge-

raden Linien.

Ludwig Lange setzte sich in dieser

[6]

und weiteren Arbeiten kritisch mit dem

Newtonschen Trägheitsgesetz und

dem absoluten Raum auseinander.

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