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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3
© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
heben soll.
2)
Seine Bodenplatte ruht
erdbebensicher auf 500 antiseis
mischen Federungen (
Abb. 1
); nach
und nach wachsen seine massiven
Mauern aus Stahlbeton bis zur Bo
denebene der Fertigungshalle.
Erst wenn das Plasmagefäß auf
gebaut ist, wird das siebenstöckige
Gebäude, das auch die komplette
technische Versorgung des Fusions
experiments beherbergen soll,
fertiggestellt. Daneben entstehen
zahlreiche kleinere Gebäude auf
dem Gelände wie die „Cleaning Fa
cility“, in der die Komponenten von
ITER nach ihrer teils langen Anrei
se vor der Montage gereinigt wer
den, oder das „Cryoplant Building“,
das die Kryotechnik beherbergt, um
die supraleitenden Magnetspulen
mit flüssigem Helium und Stick
stoff zu versorgen. Fertiggestellt
und seit Oktober 2012 bezogen sind
das Büround Empfangsgebäude
sowie die große Halle, in der die
supraleitenden Magnetspulen gewi
ckelt werden. Während Ingenieure
und Management auf diese Weise
sichtbar vor Ort wirken, scheinen
sich Wissenschaftler noch gedulden
zu müssen.
Bisher nur Virtual Reality
In der virtuellen Welt ist ITER da
gegen längst in einer 3DSimulation
Realität geworden (
Abb. 2
). Für Jens
Reich, der das Design der vielen
tausend Komponenten des Fusi
onsexperiments koordiniert, ist
die Simulation unverzichtbares
Werkzeug, um zu beurteilen, ob die
geplanten Komponenten wirklich
zusammenpassen. „Es ist beeindru
ckend, welche Detailfülle die Visu
alisierung bietet“, sagt er begeistert.
„Dabei ist nicht nur der fertige Auf
bau entscheidend. Mit der Simulati
on prüfen wir auch, ob und wie wir
die Komponenten zusammenfügen
können.“ So lassen sich Arbeitsab
läufe schon jetzt optimieren und
Fehler beim tatsächlichen Aufbau
vermeiden. Diese Arbeit hat aber
auch ihre Tücken. „Nach zwei Stun
den braucht man eine Pause – sonst
wird man seekrank“, erklärt Jens
Reich die Auswirkungen der Virtu
al Reality.
Obwohl Fusionsforscher, Inge
nieure und Techniker zielstrebig
an der Realisierung von ITER ar
beiten, sind das Großprojekt und
damit auch die Fusionsforschung in
der Öffentlichkeit vor allem durch
negative Schlagzeilen aufgrund
von Verzögerungen und Preisstei
gerungen bekannt. Beides ist im
Fall von ITER vor allem der Orga
nisation des Projekts geschuldet,
die historisch gewachsen ist. Im
November 1985 schlugen Ronald
Reagan und Michail Gorbatchow
ein internationales Projekt vor,
das die friedliche Nutzung der
Fusionsenergie für die gesamte
Menschheit als Ziel haben sollte.
Zwei Jahre später starteten die USA,
die Sowjetunion, Japan und die Eu
ropäische Union das gemeinsame
Projekt ITER und präsentierten
1990 ein erstes technisches Design
des Fusionsexperiments. Kurz
nachdem sich die Partner auf das
finale Design einigten, stiegen die
USA Ende 1998 aus dem Projekt
aus, sodass weniger Geld zur Verfü
gung stand. Außerdem erforderten
neue Kenntnisse zur Stabilität des
Plasmaeinschlusses ein neues De
sign der Maschine, das 2001 fertig
gestellt war.
Bis sich die Partner auf Cada
rache als Standort einigen konnten,
gingen vier Jahre ins Land. 2003
waren China und Korea dem Pro
jekt beigetreten, und auch die USA
beteiligten sich wieder an ITER. Als
bisher letzter Partner folgte Indien
2005. Im Jahr darauf unterzeich
neten die sieben Partner die ITER
Vereinbarung. Zu diesem Zeitpunkt
erwartete man das erste Plasma im
2)
Den geplanten Auf
bau zeigt die Animation
„World’s Largest Puzzle“
unter bit.ly/1By1mUq
Beteiligung am Bau der Hauptkomponenten von ITER
Hauptkomponente
EU Russ-
land
USA Japan China Korea Indien
Solenoid
–
–
x
x
–
–
–
Kryostat
–
–
–
–
x
–
x
Magnetspulen
x
x
x
x
x
x
–
Divertoren
x
x
–
x
–
–
–
Kühlwassersystem –
–
x
–
–
–
x
Mantel Plasmagefäß
x
x
–
–
x
x
–
Heizsysteme Plasma
x
x
x
x
–
–
x
Vakuumkammer
x
x
–
–
–
x
x
Wärmeschild
–
–
–
–
–
x
–
Mörtel
Basis
Beton
ITER
Abb. 1
Ein besonderes Verfahren garan-
tiert, dass keinerlei Lufteinschlüsse im
Mörtel zwischen Metallplatte und Beton-
sockel die Qualität der 500 seismischen
Federungen mindern, auf denen das
Tokamak-Gebäude steht.
Die Partner von ITER liefern ausschließ-
lich Sachleistungen: Die Komponenten
werden in der Regel von verschiedenen
Nationalen Behörden in Eigenregie ge-
baut. Design und Qualitätsstandards
gibt die ITER-Organisation vor; sie ist
auch für den Aufbau und Betrieb des Fu-
sionsexperiments zuständig.




