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Physik Journal 15 (2016) Nr. 3

© 2016 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

der erfahrene Wissenschaftsorga­

nisator Bernard Bigot als General­

direktor an die Spitze der ITER­

Organisation gewählt (

Abb. 4

).

Ein Profi am Werk

Der promovierte Chemiker und

Physiker hatte zahlreiche führende

Positionen in französischen For­

schungseinrichtungen und Minis­

terien inne: Er war Kommissar für

Atomenergie (2003 – 2009) und

Vorsitzender des Verwaltungsrats

(2009 – 2014) der französischen

Atomund Energiebehörde CEA

(Commissariat à l‘énergie atomique

et aux énergies alternatives), sodass

er sich mit politischen Ränkespie­

len und bürokratischen Fallstricken

auskennt. Für ihn ist ITER mehr als

ein Großforschungsprojekt: „Damit

alle gemeinsam von Globalisierung

profitieren, müssen wir eine neue

Form der Zusammenarbeit entwi­

ckeln und als internationale Ge­

meinschaft Lösungen finden. Das

können wir an ITER lernen!“

Zum Amtsantritt bei ITER ver­

öffentlichte er seine Meinung zum

Status Quo und seine Agenda in

einem NatureArtikel.

6)

Sein Ziel

ist es, die Abläufe in der ITEROr­

ganisation und mit den nationalen

Behörden zu beschleunigen. Dazu

hat er Verwaltungsebenen ersatzlos

gestrichen und neue effizientere

Strukturen geschaffen. So gibt es

nun Projektgruppen, die sich mit

einem speziellen Aspekt wie dem

Bau der Kryoanlagen beschäfti­

gen. In diesen arbeiten Ingenieure,

Techniker und Wissenschaftler von

ITEROrganisation und nationalen

Behörden zusammen. Die Grup­

pen berichten an Direktorium und

nationale Behörden. So will Bigot

vermeiden, dass Entwicklungs­

arbeit mehrfach stattfindet und

sich gute Ideen im Getriebe der

Zuständigkeiten verlieren. Seine

Umstrukturierungen stießen aber

nicht bei allen Mitarbeitern auf

Gegenliebe, und der anfängliche

Optimismus flaute schnell wieder

ab. „Es brauchte viele Gespräche,

um alle davon zu überzeugen, dass

sie an einem der außergewöhn­

lichsten Abenteuer der Menschheit

teilhaben“, erklärt Bigot, der aber

inzwischen von der Akzeptanz sei­

ner Maßnahmen überzeugt ist.

Außerdem möchte er für mehr

Transparenz sorgen, damit ITER in

Politik und Öffentlichkeit wieder

in positives Licht rückt. So finden

sich imWebauftritt von ITER nun

Organigramme zum Management,

eine ausführliche Zeitachse mit

allen Meilensteinen des Projekts

und Stellungnahmen zur bisherigen

Entwicklung des Zeitplans und

der Kosten. Die Leistung seiner

Vorgänger im Amt des General­

direktors, Osamu Motojima und

Kaname Ikeda aus Japan, möchte

Bernard Bigot nicht kritisieren: „Sie

haben das Beste erreicht, was sie

unter den schwierigen Umständen

tun konnten“, ist er sicher und fügt

hinzu, dass er seinen Nachfolgern

weitergreifende Schritte als sich

selbst zutraut. Innerhalb der Gre­

mien von ITER müsse Schluss sein

mit nationalem Taktieren.

Weil die fünfjährige Amtspe­

riode des Generaldirektors im

Vergleich zu den Zeitplänen von

ITER (

Abb. 5

) kurz ist, ist es Bigots

wichtigstes Ziel, die Zukunft für

seine Nachfolger bestmöglich vor­

zubereiten. Dabei denkt er nicht

nur an die oberste Führungsebene:

„Die gesamte Mannschaft muss

vorbereitet werden, denn nach

dem Bau der Anlage kommen neue

Aufgaben wie Betrieb und Wartung

auf uns zu.“ Hier sieht er auch die

Wissenschaftler, die an ITER expe­

rimentieren werden, in der Pflicht.

Sie müssten lernen, die Anlage

möglichst effizient zu nutzen, um

die offenen Fragen auf demWeg

zum Demonstrationskraftwerk

schnell zu beantworten. Gleichzei­

Abb. 4

Bernard Bigot, Generaldirektor

der ITER-Organisation, und Sibylle

Günter, Direktorin des Max-Planck-Insti-

tuts für Plasmaphysik, schlossen am

11. November 2015 einen Kooperations-

vertrag ab, um die Steuerungssoftware

für das Fusionsexperiment ITER gemein-

sam zu entwickeln.

Christian Lünig / ITER, IPP

6)

www.nature.com/

news/nuclearphysics­

pulltogetherforfusi­

on1.17708

Aufbau ITER

D+T

Experimente

Design

Aufbau DEMO

D+T

Betrieb

2015

2020

2030

2025

2035

2045

2040

2050

Elektrizität

aus Fusion

Abb. 5

Die Fusionsforscher hoffen, dass

ITER bis 2025 in Betrieb geht. Die Fusion

von Deuterium (D) und Tritium (T) sollte

innerhalb von fünf Jahren gelingen. Zeit-

gleich mit den Experimenten kann das

Design des Demonstrationskraftwerks

DEMO geplant und der Aufbau begon-

nen werden. Der Betrieb von DEMO –

und damit Elektrizität aus Fusion – ist

nicht vor 2050 zu erwarten.